Ergotherapie ist eine Form der Therapie, die Menschen dabei unterstützt, alltägliche Aktivitäten möglichst selbstständig auszuführen oder wiederzuerlangen. Der Begriff „Ergo“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Handlung“ oder „Tätigkeit“.
Ziel der Ergotherapie ist es, die Handlungsfähigkeit im Alltag, in der Schule, im Beruf und in der Freizeit zu fördern, zu erhalten oder wiederherzustellen.
Für wen ist Ergotherapie geeignet?
Ergotherapie wird bei Menschen jeden Alters eingesetzt, zum Beispiel:
- Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Konzentrationsproblemen oder motorischen Schwierigkeiten
- Erwachsene nach Unfällen, Operationen oder bei neurologischen Erkrankungen (z. B. Schlaganfall)
- Menschen mit psychischen Erkrankungen, etwa Depressionen oder Angststörungen
- Senioren mit Demenz, Parkinson oder altersbedingten Einschränkungen
Was macht man in der Ergotherapie?
Die Behandlung richtet sich nach den individuellen Zielen.
Beispiele sind:
- Training von Fein- und Grobmotorik
- Übungen zur Konzentration und Wahrnehmung
- Alltagstraining (z. B. Anziehen, Kochen, Schreiben)
- Gedächtnis- und Hirnleistungstraining
- Beratung zu Hilfsmitteln und Anpassungen im Wohn- oder Arbeitsumfeld
Beispiel:
Nach einem Schlaganfall kann eine Person Schwierigkeiten haben, sich anzuziehen oder mit der betroffenen Hand zu greifen. Die Ergotherapie hilft dabei, diese Fähigkeiten wieder zu trainieren oder alternative Strategien zu entwickeln.
Wie läuft die Ergotherapie ab?
Zu Beginn findet die Befunderhebung statt, um das Ziel zu definieren.
Die Therapie nimmt eine oder mehrere Einheiten zu 45 oder 90 Minuten in Anspruch.
Nach Abschluss eines Behandlungszyklus erfolgt die gemeinsame Evaluation.
Welche Behandlungsmethoden kommen zum Einsatz?
Motorisch-funktionelle Behandlung
Ziele sind die Verbesserung der Grob- und Feinmotorik, Beweglichkeit, Gleichgewicht, Kraft, Koordination und Geschicklichkeit.
Alltagsorientierten Therapie
Training von Alltagsaktivitäten in Form von Hausbesuchen, wie das An- und Ausziehen, das Essen oder die Körperpflege.
Sensomotorisch-perzeptive Behandlung
Förderung der sensomotorischen Fähigkeiten und Verbesserung der Wahrnehmungsverarbeitung.
Psychisch-funktionelle Behandlung
Förderung der psychischen Grundleistungen, wie Antrieb, Belastbarkeit und Ausdauer, sowie Verbesserung von Körperwahrnehmung und Emotionsregulation.
Neuropsychologische und kognitive Behandlung
Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Problemlösen, Orientierung und Gedächtnis.
Interaktionelle und ausdruckszentrierte Methode
Training von Kommunikations- und Interaktionsfähigkeiten, sowie Verbesserung des Selbstausdrucks und Selbstbilds.
Beratung und Umweltanpassung
Hilfsmittel Beratung und Wohnraumanpassung, sowie Beratung von Angehörigen.
Physikalische Therapie
Wärme- und Kälteanwendungen, wie beispielsweise das Paraffinbad.
Ergotherapie hilft Menschen, ihren Alltag trotz körperlicher, geistiger oder psychischer Einschränkungen möglichst selbstständig zu bewältigen!