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Stille Nacht

Carolin Pedoth
Mai 15, 2026

Sobald alle Frauen ihre Kerzen entzündet haben, wandern wir los.

Es ist ein angenehmes Hineinfinden in die Nacht.

Wir wandern in Stille und Schritt für Schritt zur Kapelle.

Eine Lichterprozession aus laternentragenden Frauen. 

Um das laute Bling Bling der Vorweihnachtszeit hinter uns zu lassen. Und um im Gehen in unserem Inneren anzukommen.

Am Bach bleiben wir stehen und ich sage:

Das Licht der Kerzen – unser eigenes Licht, heute mal in unseren Händen gehalten. 

Der Weg, den wir hier gehen – unser Lebensweg. Die Zeit dieses vergangenen Jahres hinter uns, dem Jetzt und der Zeit vor uns.

So gehen wir den Schotterweg entlang, der sich zwischen den Weingütern und Apfelbäumen hindurch schlängelt. 

Die Landschaft hat an Farbe verloren und schmiegt sich in Blautönen an den Rand des Weges.

Die Dunkelheit ist heute Abend unsere Gefährtin.

Das Weibliche, Einhüllende, das uns geborgen hält. Und uns spüren lässt: wir dürfen einfach da sein. So wie wir sind.

Und geben uns hin, dem ruhigen Gewahrsein und der tiefen Hingabe an uns selbst.

So gehen wir das letzte Stück den Hügel hinauf. 

Noch ist der Gantkofel als Kontur zu erkennen, im Nachtblau des Himmels glitzern die Sterne. 

Es ist Neumond, darum sind sie die Stars des Abends.

Dann kommen wir vor der steinernen Kapelle an, die Jahrhunderte alt, im Licht des Christbaums leuchtet.

An der Pforte die andächtige Begrüßung der Leute.

Das Eintreten ins Gewölbe: getragen von der Magie dieser Nacht.

Im Inneren leuchten leise die Kerzen.

Wir nehmen Platz und betten uns ins die Stille. 

In der Meditation begleiten uns die Worte ins Spüren hinein.

Das Wenige was es braucht, das Licht in unseren Herzen zu entzünden. 

Und so beginnen wir die Weihnacht zu fühlen.

Dem zu lauschen, was schon in uns ist, aber Ruhe braucht, um hörbar zu werden.

Als ich auf dem Stuhl vor der Gruppe Platz nehme, ist der heilige Raum bereitet.

In der Meditation fließt warme Geborgenheit.

Wir lauschen dem Licht unserer Herzen, der Kraft des Friedens und integrieren das Gute des vergangenen und des vor uns liegenden Jahres.

Nach der Meditation sitzen wir bei Tee und Keksen in der Sakristei zusammen.

Und wandern dann, plaudernd und staunend unterm Sternenhimmel der Stillen Nacht zurück.

Und so möchte ich mich bedanken:

Danke, den Hoffrauen und -herren, für das Öffnen ihrer Türen zur Katharina Kapelle.

Danke dem kleinen Jakob für seine eifrige Hilfe beim Herrichten der Kapelle!

Und danke den TeilnehmerInnen für euer Licht!

Wir haben die Welt an diesem Abend ein kleines bisschen heller gemacht.

Und danke Mutter Maria, die du uns mit deiner Liebe durch diesen Abend begleitet hast.

Unter den Sternen des Firmaments sind wir selbst zu Lichtern geworden: mit unseren Laternen im Außen und unseren leuchtenden Herzen im Innen.

Allen eine besinnliche Weihnachtszeit!

An`Anasha